IP Deutschland GmbH
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NACHHALTIGES KOCHEN UND UMWELTFREUNDLICHE ERNÄHRUNG
10.09.2019

In der Aktionswoche "Packen wir’s an" widmet sich die Mediengruppe RTL schwerpunktmäßig den Themen Plastikmüllvermeidung, Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Bei RTLplus greift u. a. die Kochshow "essen & trinken – Für jeden Tag" das Thema Nachhaltigkeit auf und Koch Ronny Loll gibt Ratschläge im Interview.

Im Interview spricht Ronny Loll über nachhaltiges Kochen und klimafreundliche Ernährung, er gibt praktische Tipps und verrät sein Lieblingsrezept zum Thema.

Kann man mit seiner Ernährung etwas für den Erhalt der Umwelt tun?

Ronny Loll: Jeder Einzelne kann viel zum Umweltschutz mit seiner Ernährung beitragen.

Und wie genau? Wie kann man sich klimaschonend, nachhaltig und dennoch günstig und gesund ernähren?

Ronny Loll: Ruhig mal beim Bauern um die Ecke einkaufen. Da müssen die Lebensmittel nicht unnötige Kilometer durch die Welt gefahren werden. Außerdem sind sie günstiger, da nicht noch zwei, drei Zwischenhändler mitverdienen müssen. Obst und Gemüse sind oft frischer und vitaminreicher als im Supermarkt. Unnötige Verpackungen werden gespart, da der Bauer selbst nichts einschweißt oder verpackt. Zudem: Beim Kochen ruhig mal einen Deckel verwenden und die Hitze am Herd reduzieren. Das Vorheizen des Ofens ist meist nicht nötig und verschwendet nur wertvolle Energie.

Ist nachhaltige Ernährung nicht einfach zu teuer für den Normalverbraucher?

Ronny Loll: Natürlich kann das ein oder andere Lebensmittel teurer sein als das im Discounter. Oft sind die nachhaltigen Lebensmittel aber sogar günstiger. Sie werden ja in ihrer Saison angeboten und brauchen daher vielleicht keine Gewächshäuser, Bodenheizungen oder Reisen mit LKW, Schiff oder Flugzeug. Außerdem kauft man nachhaltige Lebensmitteln meist bewusster ein und wirft daher weniger weg.

Muss ich bei nachhaltiger Ernährung Abstriche beim Geschmack machen?

Ronny Loll: Im Gegenteil, nachhaltige Ernährung ist viel geschmackvoller, da man Obst und Gemüse ja in ihrer Saison kauft und sie da auf dem Höhepunkt ihrer Reife bekommt. Stichwort: Erdbeeren aus Spanien und unsere Hiesigen.

Bio boomt auch beim Discounter, wo die Bioabteilung immer größer wird. Stellst du fest, dass sich die Menschen mehr Gedanken über ihre Ernährung machen und sich gesünder und nachhaltiger ernähren?

Ronny Loll: Natürlich versuchen die Discounter auf den Bio Zug aufzuspringen. Um das schlechte Gewissen zu beruhigen, ist eine große BIO Auswahl ja auch gut. Nachhaltig einkaufen heißt aber auch, dass mir jemand was zum Fleisch, Fisch oder Obst und Gemüse sagen kann. Fragen Sie doch mal im Discounter.... Dort geht mir nachhaltig und BIO oft nicht weit genug. In den Großstädten mache ich schon die Erfahrung, dass immer mehr Menschen wissen möchten wo was herkommt und wie was hergestellt wird. Das macht Hoffnung. Leider sind wir aber oft noch zu bequem und schieben: keine Zeit, keine Lust oder kein Geld vor. Wie toll ist es aber, sich am Wochenende mal mit der Familie aufs Fahrrad zu setzen, ins Umland zu fahren und tolle Bauern und Manufakturen zu finden, Produkte zu probieren und für all das ein Gefühl zu bekommen und mehr schätzen zu lernen. Für seine eigene Gesundheit tut man natürlich auch noch was.

Ist Bio gleich klimafreundlich?

Ronny Loll: Nein, leider nicht. Wenn BIO aus Chile, Peru oder Süd Afrika zu uns kommen muss, macht das einfach keinen Sinn mehr. So macht es der Discounter und schafft es auch BIO Produkte super günstig anzubieten. Öko ist gleich klimafreundlich wenn es den Anbau, den Transport und die Verpackung mit einschließt. Auch umweltfreundliche Verpackungen wie "Plastik aus Mais", "Schälchen aus Bambusblättern" machen nur Sinn, wenn man sie dann auch kompostiert. Landen sie im normalen Müll, sind sie auch nicht besser als der normale Müll. 

Bio für alle, eine rein ökologische Landwirtschaft wäre das überhaupt möglich?

Ronny Loll: Für eine realistische Einschätzung bin ich leider nicht spezialisiert genug. Ich würde es mir aber sehr wünschen. Einen riesigen Schritt würden wir aber schon machen, wenn nicht so viele Lebensmittel weggeschmissen werden und damit meine ich nicht nur die, die wir kaufen, sondern auch die nach dem Ermessen der Europäischen Union nicht in die Norm passen. (z. B. Gurken zu krumm, groß oder klein) Die Lebensmittel bleiben direkt auf dem Acker und werden wieder untergepflügt. Was für ein Irrsinn. Übrigens wünschen sich diese Normen nicht die Verbraucher, sondern der Handel, da sich große gerade Gurken besser transportieren, lagern und verkaufen lassen als krumme Dinger. (Diese Norm ist zum Glück wieder aufgehobenen worden.)

Wie kann ich etwas über den CO2-Fußabdruck eines Produkts erfahren? Wird es so ein Labeling jemals geben?

Ronny Loll: Nur CO2 ist mir da zu kurz gesprungen. Ein Beispiel: Eine Jutebeutel muss 140 mal benutzt werden, um auf denselben CO2 Wert zu kommen, den eine Plastiktüte die nur 1 mal genutzt wird, bei der Herstellung verursacht. Einseitig betrachtet, wäre die Plastiktüte also super. Wichtig ist aber das große Ganze zu betrachten und da ist Plastik nun mal schlecht.

Gibt es eigentlich schon Kochbücher zum nachhaltigen Kochen? Ist das ein großes Thema in der Kochszene?

Ronny Loll: Oh ja, die gibt es bereits zu Hauf. Von Lucki Maurer zum Beispiel "Rind complete" oder von Sarah Wiener "Durch das ganze Jahr, Alles verwerten" welches sich an die Saison hält und aus Resten eines Gerichtes noch ein tolles zweites Rezept für den nächsten Tag macht. Oder Bücher über Haltbarmachungen wie "einwecken" und "fermentieren". Alles was die Oma schon wusste und machte, kommt heute wieder...

Verrätst du uns dein Lieblingsrezept für ein klimafreundliches Gericht?

Ronny Loll: Ich liebe frischen Fetakäse aus der Milchschäferei ein Dorf weiter, den etwas zerbröselt in eine Auflaufform geben. Frische blaue Feigen aus Nachbars Garten (der reift hier in der Rheinebene zweimal im Jahr aus) mit Thymian aus dem Garten, Honig und Walnüssen aus dem Schwarzwald und frisch gepresstem Walnussöl aus der Ölmühle zwei Dörfer weiter. Alles zusammen für 10 Minuten bei 200°C in den Backofen und dann mit lieben Menschen, einem guten Spätburgunder meines Lieblingswinzers und frischem Baguette genießen.

Was tust du persönlich, um nachhaltig zu leben?

Ronny Loll: Wir haben uns schon seit Jahren entschlossen nur noch 1 mal die Woche Fleisch und einmal die Woche Fisch zu essen. Das dann ganz bewusst und meist aus der Region. Den Rest der Woche gibt es vegetarisch und wenn man sich mit dem Thema auseinandersetzt ist es spannend, wie toll Gemüse schmecken kann, wenn man es in der Saison kauft und ihm die Hauptrolle gibt. Mineralwasser kommt bei uns aus dem Wasserhahn. Das spart unnötige Transportwege, Verpackungen und natürlich Schlepperei. Lange Strecken fahren wir mit der Bahn, kurze Strecken mit dem Fahrrad.

Deine besten Tipps in Kürze zur nachhaltigen Ernährung?

- Weniger Fleisch und Fisch essen
- Regional und saisonal essen
- So wenig wie möglich wegwerfen
- Energie sparen (Einkaufsweg mit Fahrrad, Gas statt Elektroherd, Deckel auf den Topf )
- Wenig verpackte Lebensmittel kaufen
- Bewusst einkaufen
- Fair Trade
- Nur soviel einkaufen, wie man auch verarbeiten/essen kann
- Unser Trinkwasser als Mineralwasser nutzen

Die zwei "essen & trinken"-Folgen zum Thema:

"Heute und Morgen – Was vom Tage übrig blieb" – am Montag, 16. September um 17.00 Uhr 
"Frische Gartenküche – Purer Genuss aus der Heimat" – am Dienstag, 17. September um 17.00 Uhr
 

 

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