IP Deutschland GmbH
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NEWS MIT EXPERTISE UND VERLÄSSLICHKEIT
An einem Tisch mit Martin Schulz: Deutschland fragt nach
Foto: MG RTL D / Stefan Gregorow
26.03.2018

Peter Kloeppel alias Mr. News steht wie kein anderer für die News-Kompetenz der Mediengruppe RTL. Im Interview verrät er u. a., worauf es heutzutage bei einer Nachrichtensendung ankommt.

FOURSCREEN: Herr Kloeppel, können Sie sich noch erinnern, was Sie vor 30 Jahren, sprich am 05.04.1988, gemacht haben, als "RTL Aktuell" erstmals auf Sendung ging?

Peter Kloeppel: "Zu der Zeit war ich Korrespondent in Bonn. Wenn ich in meinen Jahreskalender 1988 schaue, sehe ich zwar keinen Eintrag für einen Nachrichtenbericht, vermute aber, dass ich im Bonner Büro gearbeitet habe. Am Folgetag, dem 6. April 1988, lief auf alle Fälle ein Stück von mir über eine Waffengesetznovelle, am 7. April eines über eine Flugsicherheitsnovelle."

1992 sind Sie als Anchorman an die Stelle von Hans Meiser getreten. Hatten Sie sich damals beworben oder ist man auf Sie zugekommen?

"Ende 1991, mittlerweile war ich Korrespondent in New York, kam der damalige Chefredakteur Dieter Lesche auf mich zu und bot mir die Position an, weil Hans Meiser sich verändern wolle. Anfangs zögerte ich, weil ich mich für zu jung dafür hielt und zudem gerne noch ein bisschen länger als Korrespondent in den USA bleiben wollte. Doch als der Chefredakteur mir signalisierte, dass man mir das nicht noch mal anbieten werde, war mir klar, dass ich mich entscheiden muss."

Die über siebenstündige Sondersendung zum 9/11-Anschlag hat "RTL Aktuell" und auch Ihnen als Moderator einen großen Imagegewinn eingebracht. Hatten Sie damals das Gefühl, dass sie zum ersten Mal richtig wahrnehmbar ausspielen konnten, welche Qualitäten die RTL-Hauptnachrichten tatsächlich haben?

"Wir haben an dem Tag wie andere auch versucht, die verstörende und unübersichtliche Nachrichtenlage so gut wie möglich mit unseren Redaktionen aufzubereiten und zu präsentieren. Unsere vielen Zuschauer wussten damals schon, dass wir unser Handwerk verstehen, doch mit der Sondersendung wurden tatsächlich viele der medialen Beobachter erst so richtig aufmerksam auf uns. An dem Tag konnten wir zeigen, dass wir es mindestens genauso gut können wie die geschätzte Konkurrenz."

30 Jahre "RTL Aktuell", 30 Jahre mit Ulrike von der Groeben und 26 Jahre mit Ihnen. Wie wichtig ist diese Kontinuität für den Erfolg der Sendung heute?

"Kontinuität ist bei Nachrichtensendungen grundsätzlich ein sehr wichtiger Faktor – in der Präsentation, in der Pünktlichkeit, im Erscheinungsbild und in der Aufbereitung der Inhalte. Die Zuschauer erwarten von einer Nachrichtensendung zu Recht Verlässlichkeit, und damit einher geht dann das Vertrauen in die Inhalte und auch in die Köpfe."

Stichwort Vertrauen. Steckt der Journalismus in einer Vertrauenskrise?

"Nein, nicht wirklich! Die Menschen, die uns beschuldigen, Fake News zu verbreiten und durch politische Institutionen gesteuert zu sein, sind eine Minderheit, die ihr Weltbild nicht angemessen abgebildet sieht. In der breiten Bevölkerung jedoch ist das Grundvertrauen in die etablierten Medien weiterhin hoch, das hat jüngst auch eine Studie belegt. Wir müssen uns dieses Vertrauen aber auch jeden Tag aufs Neue erarbeiten."

Warum braucht es große TV-Nachrichten wie "RTL Aktuell" im digitalen Zeitalter?

"Die Nachrichtenhappen im Netz und in den sozialen Medien können die Menschen nicht wirklich sättigen. Fernsehnachrichten haben das entscheidende Plus, dass sie die wichtigen und interessanten Nachrichten des Tages vorsortieren, kompakt zusammenfassen und einordnen. Indem wir – unterstützt von Bildern – Zusammenhänge zwischen der abstrakten Nachricht und der konkreten Lebenswirklichkeit der Menschen verständlich herstellen, haben die Zuschauer einen Nutzwert für ihren Alltag. Deswegen sind Fernsehnachrichten heute genauso wichtig wie vor 30 Jahren und in der Zukunft, auch wenn sie dann wieder etwas anders aussehen als heute." 

Was ist derzeit die heikelste Herausforderung an den TV-Nachrichtenjournalismus?

"Wir stehen in einem munteren Wettstreit mit anderen Nachrichtenquellen, die für die User und Zuschauer wichtig geworden sind. Nur ein Beispiel: Eine der vielen besonderen Herausforderungen heute besteht darin, gerade die vielen Bewegtbildangebote, die in der digitalen Welt kursieren, auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Es gilt, authentische Informationen von gesteuerten Desinformationen zu trennen. Dafür haben wir eine eigene Einheit gebildet, das sogenannte Verifizierungsteam. Die Kollegen überprüfen mit ausgeklügelten technischen Methoden vor allem Bildmaterial, bei dem die Quellenlage unsicher ist."

Was gehört unbedingt in eine "RTL Aktuell" Ausgabe?

"Natürlich haben wir alle wichtigen, aktuellen und relevanten Themen des Tages – genau wie unsere öffentlich-rechtlichen Pendants. Und trotzdem haben wir eine in Teilen andere DNA und unterscheiden uns dadurch bisweilen bei der Auswahl und der Aufbereitung der Themen. Die 'Tagesschau' mag politischer sein, wir sind dafür etwas stärker an den Interessen der Zuschauer orientiert. Und wir geben den Zuschauern mit unserer News-Auswahl auch mal die Möglichkeit zum Durchatmen oder Schmunzeln."

Wie erspüren Sie und Ihr Team, was für die Zuschauer relevant ist?

"Wir befragen unsere Zuschauer regelmäßig, was sie für relevant halten und gleichen das mit unseren eigenen Relevanzkriterien ab. Dafür nutzen wir nicht nur die Medienforschung, sondern suchen regelmäßig den unmittelbaren Austausch. Wir lassen Redakteure wochenweise in Wohnviertel von deutschen 'Durchschnittsstädten' ziehen, wo sie eine Weile leben und sich intensiv mit den Menschen dort über ihre Themen und die Resonanz auf unsere Sendungen unterhalten. Zudem führen wir einen täglichen Austausch über eine WhatsApp-Gruppe, in der uns die Zuschauer ein Feedback geben. Diese und andere Anregungen diskutieren wir, um uns dann bestimmten Themen noch intensiver zu widmen und diese als Nachrichtenstück aufzubereiten."

Welches Gewicht haben Statements von Politikern in der Sendung?

"Wenn wir Politiker zu Wort kommen lassen, dann immer im Kontext von Aussagen und Einschätzungen anderer Politiker, unserer Reporter oder von Bürgern. Wichtig ist uns, dass wir stellvertretend die Fragen stellen, die die Bürger an die Politiker haben. So gesehen sind wir Ohr und Sprachrohr unserer Zuschauer. Aber es ist auch wichtig, dass wir unsere eigene Meinung und unseren eigenen Kompass haben als Redakteure."

Welche drei Nachrichten möchten Sie in diesem Jahr unbedingt vermelden?

"Ich würde mich freuen, wenn ich verkünden könnte, dass jenseits des großen Teiches ein gewisses Maß an Verlässlichkeit zurückkehrt. Das sehe ich im Moment nur leider nicht. In Deutschland hätte ich gerne die Schlagzeile, dass die Bundesregierung tatsächlich eine Politik verfolgt, mit der die Bürger die unaufhaltsame Digitalisierung als Chance begreifen und für sich nutzen, ohne dass sie das Gefühl bekommen, ihre Welt gerate aus den Fugen und ihre Heimat gehe verloren. Und natürlich will ich Mitte Juli vermelden: Deutschland ist wieder Fußballweltmeister geworden."
 

"RTL Aktuell" – montags bis freitags um 18.45 Uhr

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