IP Deutschland GmbH
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GEMEINSAM GEGEN FAKE NEWS

FS Schwerpunkt TeamworkKlare Worte von n-tv Chefredakteurin Sonja Schwetje zum Thema Fake News bzw. Online-Desinformation. Im Video zeigt die Mediengruppe RTL außerdem, wie sie mit ihrem Verifizierungsteam beim Prüfen von User-generated Content vorgeht, um Falschinformationen zu entlarven.

Fake News, das ist die bewusste – meist politisch oder wirtschaftlich motivierte – Manipulation von Informationen. Was können Medienorganisationen dagegen unternehmen? Und welche Verantwortung tragen dabei vor allem soziale Netzwerke und Online-Plattformen? Das sind Fragen, die nicht nur die Journalisten der Mediengruppe RTL tagtäglich beschäftigen, sondern auch die EU-Kommission, der n-tv Chefredakteurin Sonja Schwetje als Teil einer Expertengruppe beratend zur Seite steht.

Interne Mechanismen

INTERNATIONALES VERIFIZIERUNGSTEAM – FÜR ECHTE FAKTEN

Journalistische Umfelder sicher und damit zugleich brandsafe zu machen, haben sich n-tv und die ganze Mediengruppe RTL auf die Fahnen geschrieben. Ein wesentlicher Baustein des Konzepts ist es, User-generated Content durch entsprechend trainierte Redakteure und Reporter zu überprüfen und zu verifizieren.

Mediengruppe RTL: Teamwork im Network

Ist eine bestimme Information wahr, ein Online-Video echt – oder wurde manipuliert und aus dem Zusammenhang gerissen? Fragen, die für gute Journalisten mittlerweile ihr täglich Brot sind. Der Gefahr der Desinformation stellt sich bei der Mediengruppe RTL schon seit 2016 ein internes Expertenteam entgegen, das Inhalte und Metadaten analysiert, neue – oder vermeintlich neue – Bilder und Videos mit älteren abgleicht, um so u. a. User-generated Content auf Herkunft und Hintergrund zu prüfen.

"Am Anfang steht die Beantwortung der scheinbar einfachen, aber essenziellen Fragen: Was ist wann und wo passiert? Können wir bestätigen, dass sich etwas wie angegeben an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit abgespielt hat, oder handelt es sich um falsche Tatsachenbehauptungen? Mithilfe verschiedenster Tools lassen sich dann noch spezifische Fragen beantworten, die zur Wahrheitsfindung beitragen: Wurden Fotos oder Videos bearbeitet, wie hat die Sonne gestanden, wann ist ein Flugzeug gestartet und gelandet?"

Andreas Greuel, Fachgruppenleiter Verifizierung infoNetwork
 

Das Team agiert mittlerweile sogar international auf Ebene der RTL Group – und kann so noch schneller falsche Inhalte entlarven und seine Rechercheergebnisse teilen. In übergreifenden Schulungen trainieren die Mitglieder – ob Redakteure, Producer, Mediendokumentare oder Content-Manager – gemeinsam, wie sich Videos, Bilder und Social-Media-Content mit modernster Technik untersuchen lassen. Wichtige Instrumente sind dabei die gemeinsame E-Mail-Adresse für Überprüfungsanfragen und eine Plattform, auf der das Team Wissen, Tools und Fallstudien austauscht.

n-tv: gründlich und schnell

Verifizierte Inhalte und sichere Quellen sind für n-tv als Nachrichtenanbieter absolut unerlässliche Kernfaktoren. Bevor also User-generated Content on air oder online geht, wird er vom Verifizierungsteam akribisch untersucht. Dabei gehen Gründlichkeit und Schnelligkeit Hand in Hand, schließlich sind Breaking News und Top-Aktualität die besonderen Stärken von n-tv. Die Spezialisten des Verifizierungsteams haben eine enorm hohe Bedeutung – und auch bei den sendereigenen Redakteuren sind grundlegende Verifizierungstechniken schon längst fester Bestandteil von Arbeit und Ausbildung.

"Wir brauchen immer wieder neues Know-how in Sachen Verifizierung, denn die Möglichkeiten bei Themen wie Video-Manipulation werden immer raffinierter. Da reicht journalistische Skepsis teilweise nicht mehr aus. Deshalb schulen wir unsere Mitarbeiter  kontinuierlich."

Sonja Schwetje, n-tv Chefredakteurin
 

Einsatz auf EU-Ebene

FÜR EUROPA – IM INTERESSE DER WAHRHEIT

Um Menschen vor Fake News und Manipulation zu schützen, sind interne Mechanismen wie das Verifizierungsteam wichtig. Doch um die Verbreitung gefälschter Inhalte zu begrenzen, ist es damit nicht getan. Auch gesetzgeberische Maßnahmen sind gefordert. Dafür setzt sich n-tv Chefredakteurin Sonja Schwetje auf EU-Ebene beratend ein.

Sonja Schwetje n-tv Chefredakteurin Sonja Schwetje wurde von der RTL Group in die Expertengruppe der EU-Kommission entsandt | © MG RTL D / Marina Weigl

DESINFORMATION GEFÄHRDET DEMOKRATIE

Informationen in großer Menge einfach, schnell und zielgenau zu verbreiten, ist gerade durch soziale Netzwerke heute technisch kein Problem mehr. Das ist einerseits eine gute Sache, anderseits aber ermöglicht es auch regelrechte Desinformationskampagnen mit manipulierten Inhalten – wie die jüngere Vergangenheit wiederholt gezeigt hat. Desinformation im Internet ist ein vielschichtiges, sich rasant weiterentwickelndes Problem. Es herrscht Handlungsbedarf, denn Fake News haben Konsequenzen: Sie untergraben nicht nur das Vertrauen in die Medien, sondern sie schaden auch der Demokratie an sich. Bürger, die der Desinformation aufsitzen, können sich kein fundiertes Urteil mehr bilden – also auch nicht mehr wirklich frei entscheiden. Fake News können polarisieren, gesellschaftliche Spannungen fördern, ganze Wahlsysteme unterminieren – und sich im Worst Case auf die Sicherheit in ganz Europa auswirken.

Das war für das Europäische Parlament Grund genug, die Kommission im Juni 2017 aufzufordern, "die derzeitige Lage und  den geltenden Rechtsrahmen im Hinblick auf Falschmeldungen gründlich zu analysieren und zu prüfen, ob sich die Verbreitung gefälschter Inhalte durch legislative Maßnahmen begrenzen lässt".

EXPERTEN GEGEN MANIPULATION

Glaubwürdigkeit, Verifizierung, kritische journalistische Auseinandersetzung: Das sind Themen, für die auch n-tv Chefredakteurin Sonja Schwetje steht. Darum wurde sie 2018 mit 38 weiteren Fachleuten in eine von der Europäischen Kommission eingerichtete hochrangige Expertengruppe gegen Online-Falschmeldungen berufen.

Diesem Gremium gehören Vertreter der Wissenschaft, von Social-Media-Plattformen, Nachrichtenmedien, Organisationen der Zivilgesellschaft, der akademischen Welt und Journalisten an. Die Expertengruppe unterstützt die Kommission dabei, die Ausmaße des Fake-News-Problems auszuloten, die Aufgaben und Verantwortlichkeiten der betreffenden  Interessenträger festzulegen, die internationale Dimension zu bewerten, die betreffenden Standpunkte zu erfassen und Empfehlungen zu formulieren.

Sonja Schwetje im Interview

"ES BRAUCHT EINEN EINHEITLICHEN RAHMEN"

Im Interview spricht Sonja Schwetje über den aktuellen Stand der Gremienarbeit auf EU-Ebene und ihre persönliche Motivation, Teil des Teams zu sein.

FOURSCREEN: Aufgabe der Expertengruppe ist es u. a., Aktionspläne und zielgerichtete Strategien gegen Desinformation im Internet zu entwickeln. Was wurde bislang erarbeitet und wie geht es weiter?

SONJA SCHWETJE: Die Expertengruppe hat einen Report erarbeitet, der die Dimension und Tragweite des Themas beschreibt und Empfehlungen enthält, welche Grundprinzipien aus unserer Sicht sichergestellt werden sollten, aber auch aufzeigt, wo Risiken einer möglichen Regulierung liegen. Ein erster Schritt war der Auftrag der EU-Kommission an die Plattformen, einen gemeinsamen Code of Practice zu erarbeiten, der sich an den Grundsätzen von Standards und Auflagen von Medienunternehmen orientiert. Es braucht einen einheitlichen Rahmen, innerhalb dessen die Plattformen Verantwortung übernehmen. Vage Absichtsbekundungen sind nicht ausreichend. Benötigt werden messbare Ziele, denen sich alle Beteiligten verpflichten, sowie Maßnahmen, deren Effektivität von unabhängiger Seite bewertet werden kann. Im Oktober wurde dieser Code of Practice an die EU-Kommissarin Mariya Gabriel übergeben und wird derzeit geprüft. Sollten sich die Maßnahmen als unzureichend erweisen, behält sich die EU-Kommission vor, weitere zu ergreifen.


Welche Hürden gibt es?

Es gibt viele verschiedene Schwierigkeiten, angefangen bei der Messbarkeit von Maßnahmen gegen Fake News bis hin zum Grad der Transparenz, die eingefordert werden kann. Das Hauptproblem ist, dass der erste Entwurf des Codes nicht weitreichend genug ist, es gibt keine klaren Kriterien und Verpflichtungen, keine messbaren Ziele und keine Sanktionen.


Was erachten Sie als wichtigste politische Maßnahme, um gegen Online-Desinformation vorzugehen?

Eine einzige Maßnahme allein wird aus meiner Sicht nicht die Lösung sein. Die Regulierung von uns als Medienunternehmen ist ja auch sehr komplex. Es wird vermutlich ein ähnlich umfassendes Bündel von Maßnahmen brauchen, um dieses große Problem auf Seiten der Plattformen in den Griff zu bekommen. Plattformen müssen für die Inhalte, die sie zirkulieren lassen und verbreiten, Verantwortung übernehmen. Sie müssen sich aktiv gegen alle Formen von Fake News und Desinformation einsetzen und transparent darlegen, welche Maßnahmen sie ergreifen.

Wichtig ist natürlich immer, dass jede Form der Regulierung dahingehend geprüft werden muss, ob sie nicht die Meinungs- oder Pressefreiheit einschränkt.


Können Sie in Bezug auf die Verantwortung der Plattformen noch etwas konkreter werden?


Plattformen spielen heutzutage eine herausragende Rolle bei der Meinungsbildung. Und das Problem der Online-Desinformation – was ein viel passenderer Ausdruck ist als Fake News – spielt sich ja überwiegend bei ihnen ab. Insofern sollten sie sich ihrer  gesellschaftlichen Verantwortung für alles stellen, was in diesem Bereich passiert. Dazu gehören nicht nur ein verantwortlicher Umgang mit Desinformation, sondern auch Transparenz- und Klarstellungspflichten – wie wir sie z. B. mit der Impressumspflicht haben.

Weitere Themen sind sichere Werbeumfelder sowie der Umgang mit urheberrechtsverletzenden Inhalten und Piraterie. Dass Plattformen ausschließlich selbst entscheiden, wo Verantwortlichkeiten beginnen, kann nicht zielführend sein. Das würde ja heißen, dass jede Plattform Regeln für sich selbst auslegt. Das kann nicht funktionieren. Medienunternehmen haben diesen Interpretationsspielraum auch nicht, sondern unterliegen einheitlichen Regeln.


Was passiert, wenn die Online-Plattformen die Lösungsvorschläge der EU-Kommission nicht umsetzen bzw. angehen?

Bei dem Versuch, das Problem der Online-Desinformation in den Griff zu bekommen, hat man in einem ersten Schritt auf Selbstregulierung gesetzt. Sofern dies nicht Erfolg versprechend ist, muss die Kommission über weitergehende Maßnahmen – auch gesetzgeberische – nachdenken. Dies hat sie bereits in ihrer Mitteilung "Tackling online disinformation: an European approach" sowie dem Fact Sheet im April vergangenen Jahres angekündigt.

Was ist Ihre persönliche Motivation, bei der Expertengruppe mitzuwirken?

Es ist ein wesentliches Merkmal der Demokratie, dass Menschen sich aufgrund eines freien Zugangs zu Informationen eigene Meinungen bilden und darauf basierend Wahlentscheidungen treffen. Dieses Prinzip gerät in Gefahr, wenn durch manipulierte Informationen ein verzerrtes Bild entsteht und man mit einer Richtigstellung nicht mehr die gleiche Menge von Menschen erreicht wie die ursprüngliche Falschmeldung. Ich möchte mithelfen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Ziel ist es, eine pluralistische Medienlandschaft zu erhalten, in der die Vorteile des unbegrenzten Zugangs zu Informationen nicht durch gezielten Missbrauch zunichte gemacht werden.
 

Ansprechpartner

Franziska Wünsch

Franziska Wünsch
B2B Marketing VOX, n-tv & NITRO

+49 221 456-26723

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