IP Deutschland GmbH
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DEUTSCHLAND BREITBANDLAND?
12.03.2018

Filme streamen, per Video chatten, Mediatheken nutzen und Smart Home: Wer moderne Internetmöglichkeiten nutzen will, braucht hohe Datenraten. Bewohner großer Ballungsräume sollten sich darum  keine Sorgen machen, meint man. Doch die Wirklichkeit sieht fast 20 Jahre nach ISDN, Modem & Co. noch immer anders aus – und das nicht nur auf dem flachen Lande. FOURSCREEN macht den Reality Check.

Fläche mit Flicken

Auf der Website der Bundesnetzagentur kann jeder Internetnutzer die ihm real zur Verfügung stehende Bandbreite testen und registrieren lassen. Die so erhobenen Daten erlauben regionale und überregionale Aussagen darüber, wo am schnellsten gesurft werden kann. Es zeigt sich, dass dabei nicht immer die Ballungszentren und Metropolen die Nase vorn haben, sondern dass es stark vom Anbieter abhängt, wie schnell User ins Web kommen. Ein Blick auf die vier großen, überregionalen Anbieter zeigt deutlich regionale und lokale Lücken im Breitbandausbau. Von einem wirklich flächendeckenden Ausbau kann also keine Rede sein. Teile von Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sind immer noch und anbieterübergreifend regelrechte Breitband-Diaspora. Weite Landstriche vom Sauerland bis nach Norden ins Emsland und selbst die Ballungsräume an Rhein und Ruhr weisen beträchtliche Lücken auf.

Breitbandland
BB legende
 

Aktuelles und detailliert aufgeschlüsseltes Kartenmaterial zur Breitbandabdeckung in Deutschland stellt die Bundesnetzagentur online zur Verfügung.

Wunsch trifft Wirklichkeit

Schon 2014 hat die Bundesregierung angesichts des von Stadt zu Stadt, von Region zu Region sehr unterschiedlich gut ausgebauten Breitbandnetzes ihre Digitale Agenda vorgestellt. Erklärtes Ziel: Bis 2018 sollte sich jeder Haushalt ans schnelle Internet – mit 50 Mbit/s – anschließen können. Der aktuelle Stand bleibt dahinter zurück. Jetzt, Mitte 2018, haben die ersten Städte das Ziel wirklich erreicht. Viele ländliche Gebiete werden es aber weiter verfehlen. Für die schnell fortschreitende Digitalisierung werden die angestrebten 50-Mbit/s-Leitungen wohl nur ein Zwischenschritt bleiben. Laut Bundesnetzagentur verfügten Anfang 2018 rund 80 Prozent der deutschen Haushalte über Breitband – vor allem dank Kabelanschluss und der Vectoring-Technologie, bei der zumeist die Deutsche Telekom die Verteilerkästen in den Straßen ans Glasfasernetz anschließt. Wer weder Kabel noch Vectoring-Technologie nutzen kann, wird wohl auch künftig nicht im schnellsten Datennetz surfen.

Dranbleiben, weiterdenken

Zur Schwarzmalerei besteht noch kein Anlass. Denn mag auch das Gros der Datenleitungen zurzeit lediglich mit 25 bis 50 Mbit/s aufwarten können, so reicht dies doch für die allermeisten aktuellen, realen Internet-Nutzungsszenarien mehr als aus. Auf lange Sicht aber werden weder Kabelnetze noch Vectoring genügen. Schließlich werden künftig immer mehr Unternehmen nicht nur ihre Datenbanken in die Cloud verlagern, sondern auch immer mehr Maschinen miteinander vernetzen. Das wird die Datenmengen um ein Vielfaches steigern. Die Bundesregierung hat im vergangenen Sommer schon darauf reagiert – und ein neues, noch ehrgeizigeres Ziel ausgerufen: Bis 2025 soll Deutschland mit Gigabit-Geschwindigkeiten  surfen können. Freuen wir uns darauf.