IP Deutschland GmbH
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FAMILIEN IM MEDIENDSCHUNGEL
07.06.2016

Wo Kinder früher draußen gespielt haben, dominiert heute die Screen-Nutzung im Haus und schafft dadurch ein Stellvertreter-Erleben. Das Familienleben steht damit vor neuen Herausforderungen.

Nirgendwo ist die Verbreitung von Devices so hoch wie in Familien mit Kindern. PC, Notebook, Smartphone und Tablet – die digitale Vollausstattung ist hier oftmals Realität. Karl Heinz Deutsch, Inhaber des Transferzentrums Publizistik und Kommunikation, beleuchtete in seinem Vortrag auf der Kinderwelten-Fachtagung, wie Eltern mit der medialen Vielfalt umgehen und welche Rolle die Devices im Alltag spielen.

Das Vordringen neuer Plattformen für digitale Unterhaltung verstärkt den Trend, dass sich Kindheit immer stärker von draußen nach drinnen verlagert. Zwar ist das Spielen draußen nach wie vor eine Lieblingsbeschäftigung von Kindern, doch das Wohnumfeld wird von Eltern heute oftmals als zu gefährlich betrachtet, um Kinder dort alleine zu lassen. Digitale Medien, an denen Kinder grundsätzlich ein hohes Interesse haben, bieten sich als attraktive Ausweichmöglichkeiten an.

Wie Eltern mit der allgegenwärtigen Präsenz von digitalen Devices umgehen, hat viel mit ihrem Verständnis von „Doing Family“ zu tun. Der populäre Begriff bezeichnet den bewussten, kontrollierten Umgang mit familiärem Alltag als Entlastungsstrategie zum hohen äußeren Druck, dem sich Eltern ausgesetzt sehen.

Deutsch zeigt in seinem Vortrag, dass sich nur weniger als die Hälfte der Eltern 3- bis 8-Jähriger (45%) als souverän im Umgang mit den digitalen Medien einstufen lassen. Internet ist für diese Eltern etwas Selbstverständliches, sie sind kompetent und bereit, ihren Kindern den Umgang damit beizubringen. Knapp ein Fünftel (18%) kann man als „unbekümmert“ betrachten. Diese Eltern sehen vor allem die Benefits für Kinder („können mal so richtig abschalten“), kümmern sich aber wenig um die mediale Erziehung. Bei knapp einem Drittel der Eltern überwiegen beim Blick auf das Internet die Risiken, Mobbing oder Vereinsamung werden befürchtet. Diese Eltern sehen Medienerziehung primär als Angelegenheit der Schule an. Die verbleibenden 6% der Eltern darf man in Online-Angelegenheiten als „Verunsicherte“ bezeichnen, die eine generelle Distanz zu digitalen Medien haben.

Obwohl neben den Chancen also auch durchaus die Risiken des Internets für Kinder gesehen werden, setzt rund ein Drittel der Eltern 5- bis 12-Jähriger keinerlei technische Hilfsmittel ein, um die Online-Nutzung ihrer Kinder einzuschränken. Nur 43% der Befragten versehen Online-Devices mit einem Passwortschutz.

Vor dem Einzug von Tablet, Smartphone und Co. betrachteten Eltern im Regelfall das Fernsehen und seine potentiellen Auswirkungen auf Kinder besonders skeptisch. Angesichts der realen und vermuteten Gefahren bei der Online-Nutzung ist Fernsehen in der Gunst der Eltern weiter nach vorne gerückt. Positive Zuschreibungen wie „ist wichtig, um bei Freunden mitzureden“ oder „fördert die Fantasie“ finden sich deutlich häufiger beim Fernsehen als beim Internet. Lediglich beim Thema „wichtig für den Schulerfolg“ wird dem Internet von den Eltern eine wichtigere Rolle zugestanden als dem Fernsehen.

Aus der Forschung und auch anderen Vorträgen der diesjährigen Kinderwelten-Fachtagung weiß man um die hohe Relevanz des Fernsehens als soziales Lagerfeuer. Das schlägt sich auch in der Häufigkeit der gemeinsamen Mediennutzung von Eltern und Kind nieder: Kein anderes Medium wird so oft zusammen genutzt. 84% der Eltern von 5- bis 12-Jährigen sehen mindestens einmal pro Woche gemeinsam mit den Kindern fern. Das Internet wird dagegen nur von 20% der Eltern mindestens wöchentlich gemeinsam genutzt.

Den Webcast und die ausführliche Präsentation finden Sie hier!

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Cornelia Krebs

Cornelia Krebs
Werbewirkungsforschung

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