REAL LIFE MIT VORHER-NACHHER-BILANZ
25.10.2016

Die internationale Marktbeobachtung trägt erneut Früchte: Gleich zwei britische Formatkonzepte werden mit ihrer bahnbrechenden Produktionsweise und "Once in a lifetime"-Momenten überzeugen.

DAS WAHRE LEBEN IM ZEITSPRUNG

Uhren FS Artikel"This Time Next Year – heute in einem Jahr" begleitet Menschen bei der größten Herausforderung ihres Lebens. Zu Beginn wird die Frage gestellt: Wo siehst du dich heute in einem Jahr? Nachdem der Teilnehmer seine Pläne dargestellt hat, verlässt er das Studio durch eine Tür, um wenig später durch die nächste Tür wieder einzutreten und das Ergebnis seines Vorhabens zu präsentieren. Emotainment pur:

Während für den Zuschauer nur ein kurzer Moment vergeht, liegt für die Kandidaten zwischen der Aufzeichnung der Ankündigung, was sie in einem Jahr erreicht haben wollen, und der Präsentation des Ergebnisses tatsächlich ein ganzes Jahr. Diesen Zeitraum dokumentieren die Teilnehmer im Videotagebuch – in Schlüsselmomenten werden sie von Kamerateams begleitet.

GESELLSCHAFTLICH RELEVANTES SOZIALEXPERIMENT

Frau mit antel und Koffer FS ArtikelMit "Raus aus der Armut – Ein Koffer voller Chancen" (Arbeitstitel), der Adaption von "The Great British Benefits Handout", greift RTL ein Thema auf, das rund 4,3 Mio. Menschen, die von Hartz IV leben, ebenso betrifft wie die rund 43 Mio. Erwerbstätigen, die nicht selten unter den steigenden Sozialabgaben leiden.

Eine spannende Frage soll nun in dem außergewöhnlichen TV-Experiment geklärt werden: Schaffen Hartz-IV-Empfänger den Sprung aus der Sozialhilfefalle, wenn sie ihre kompletten Jahresbezüge auf einen Schlag bekommen und im Gegenzug auf staatliche Unterstützung verzichten? Beraten werden sie dabei von einem Expertenteam bestehend aus Sozialarbeitern, Psychologen und Gründungsberatern, die sie motivieren, neue Wege zu gehen, aber auch vor falschen Entscheidungen warnen.
 

Langzeitstudien zum Dranbleiben

Beide TV-Neuheiten haben eines gemein: die lange Produktionszeit – die allerdings unterschiedlich umgesetzt wird. Das Emotainment-Format begleitet Menschen ein Jahr lang, während für den Zuschauer nur eine Sekunde vergeht, bevor er die Veränderungen im Leben der Teilnehmer im Zeitraffer verfolgen kann. Das Sozialexperiment hingegen ist auf eine 6-monatige Produktion angelegt, wobei der Zuschauer hier über die einzelnen Folgen hinweg die Teilnehmer auf ihrem Weg beobachtet. 
 

Echte EnTWICKLUNGEN, STARKE EFFEKTE

Über die beiden neuen TV-Formate spricht FOURSCREEN mit Tom Sänger, Leiter Unterhaltung Show & Daytime bei RTL, und Markus Küttner, Leiter Comedy & Real Life bei RTL.

style=FOURSCREEN: Was macht Formate wie diese aus?

TOM SÄNGER: „This Time Next Year – heute in einem Jahr“ ist echtes Fernsehen mit Herz. Die neuartige Produktionsweise lädt ein, an emotionalen „Once in a  lifetime“-Veränderungen teilzuhaben. Hinzu kommt die starke emotionale Ebene der
einzelnen Geschichten. Die Idee hat uns vor allem durch die sehr unterschiedlichen Ziele der Teilnehmer überzeugt. Heute in einem Jahr wollen sie z. B. wieder laufen können oder persönliche Ängste überwunden haben. Und dies alles geschieht für den Zuschauer in nur wenigen Minuten.


MARKUS KÜTTNER: Durch die Langzeitbeobachtung bei „Raus aus der Armut – Ein Koffer voller Chancen“ (AT*) kommen wir besonders nah an die Protagonisten heran und der Zuschauer taucht viel tiefer in ihre Lebenswelt, ihre Alltagsprobleme und emotionalen Herausforderungen ein. Dabei stehen die Sorgen, Ängste und Wünsche der Menschen im Mittelpunkt, die sie vor ihrem wichtigen Schritt in ein neues, in unserem Fall sozialhilfefreies Leben bewegen.

Welche Herausforderungen ergeben sich durch die lange Produktionszeit?

TOM SÄNGER: Die größte Herausforderung liegt darin, über einen so langen  Zeitraum zu produzieren, ohne ein Feedback des Zuschauers zu bekommen, und nicht zu wissen, ob jede Geschichte funktioniert und am Ende das Ziel erreicht wird. Ob ein Teilnehmer, der z. B. stark übergewichtig ist, in einem Jahr sein Gewicht halbiert und zusätzlich einen Ausbildungsplatz findet, können wir nicht beeinflussen. Wir unterstützen die Teilnehmer in ihrem Vorhaben, Kraft und Willen müssen sie jedoch selbst aufbringen. Weitere Unsicherheitsfaktoren bergen Ziele, die in Teilen nicht nur vom Willen eines Teilnehmers abhängen, sondern generell nicht beeinflussbar sind.

MARKUS KÜTTNER: Langzeitprojekte bedürfen einer gewissen Risikobereitschaft, da unser Planungshorizont schon beim  Produktionsanfang – in dem Moment, in dem wir den Geldkoffer übergeben – endet, da wir nicht wissen, wie sich die Geschichten weiterentwickeln. Und immer dann, wenn die Menschen eine neue Hürde auf ihrem Weg aus der Sozialhilfe nehmen oder eine wichtige Entscheidung ansteht, müssen wir flexibel vor Ort drehbereit sein. Doch gerade diese Unvorhersehbarkeit macht solche Formate so spannend.

Markus Küttner Fs ArtikelKann man Formate, die sich inhaltlich über einen so langen Zeitraum erstrecken, aktuell als Trend sehen?

TOM SÄNGER: Einzel-Dokus zu Langzeitexperimenten gab es schon in verschiedener, meist monothematischer Form. Neu bei „This Time Next Year – heute in einem Jahr“ sind die Produktionsweise und die inhaltliche Dichte: In einer Sendung werden gleich mehrere Zeitreisen erzählt. Das bringt hohen Schauwert und große Abwechslung. Ziel ist es, unser Programm möglichst breit aufzustellen. Jedes neue Format wächst mit den Erfahrungen und dem Feedback der Zuschauer. Entweder wird es daraufhin weiterentwickelt und stetig verbessert oder aber es entsteht etwas völlig Neues.

MARKUS KÜTTNER: In unserem Programm gab es schon zuvor Langzeitbeobachtungen. Bei „Raus aus den Schulden“ z. B. haben wir die  Protagonisten nicht selten über ein halbes Jahr begleitet. Der Erfolg von „Team Wallraff“ oder „Das Jenke-Experiment“ liegt sicher auch an der Bereitschaft, sich einem Thema lange und intensiv zu widmen, um ein authentisches Ergebnis zu erzielen. Eine Langzeitbeobachtung bietet sich oft dann an, wenn man eine Entwicklung mit Vorher-Nachher-Effekt zeigen möchte. Für ein nachhaltiges, tragfähiges Ergebnis braucht es Zeit – und die nehmen wir uns. Ob hier ein Trend zu erkennen ist, kann ich gar nicht sagen. Ich freue mich, dass wir den Mut haben, auf solche Formate zu setzen, und wir werden das auch in Zukunft tun, sofern sich die Themen dafür anbieten.

Warum glauben Sie, dass „This Time Next Year – heute in einem Jahr“ Erfolg haben wird?

TOM SÄNGER: Weil viele Menschen, die ein ähnliches Schicksal teilen oder gleichartige Wünsche und Lebensträume haben wie unsere  Teilnehmer, sich fragen: „Was kann man alles in einem Jahr schaffen?“ Und: „Könnte ich das auch?“ Zudem kommt der starke Bildreiz: Gerade noch erzählt uns jemand, was er in einem Jahr erreicht haben möchte, und wenige Minuten später sehe ich das Ergebnis im Studio. Eine enorme Veränderung mit enormem Effekt für den Zuschauer – optisch wie inhaltlich.

Ist es Zufall, dass zwei Konzepte dieser Art aus England kommen?

MARKUS KÜTTNER: Neben unseren Eigenentwicklungen schauen wir natürlich immer, welche Formate in anderen Ländern funktionieren. Hier spielt der traditionell experimentierfreudige britische Markt schon seit einigen Jahren eine wichtige Rolle.

Auffällig ist, dass aus Großbritannien einige Sozialexperimente kommen, in deren Mittelpunkt insbesondere sozial schwache Menschen stehen. Auch hierzulande hat VOX mit dem preisgekrönten „Asternweg“ bewiesen, dass es ein großes Interesse an diesem Thema gibt

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