IP Deutschland GmbH
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MIT INNOVATIONEN UND INVESTITIONEN
BEREIT FÜR DIE ZUKUNFT
03.09.2018

Mit insgesamt rund 40 neuen Formaten in der Pipeline geht RTL in die Season 2018/2019, wobei das Formatorchester des Senders kaum ein Instrument bzw. Genre auslässt. RTL spielt die erfolgreichsten Formatstücke und die Programmmacher komponieren immer mehr davon mittlerweile selbst. Es gibt allerdings auch Nachteile, wenn man sich für diesen Weg entschieden hat. Er ist zeitaufwendiger, denn natürlich dauert es länger, eigene Programme zu entwickeln und auf den Weg zu bringen. Zudem ist es auch der deutlich kostenintensivere Weg. Trotzdem hat sich RTL entschieden, diesen Weg auch weiterhin zu gehen und viel zu investieren: Kreativität und Leidenschaft ebenso wie Zeit und Budget. Aber was genau sind die Chancen und Risiken dieser Strategie?

Im FOURSCREEN-Interview erläutert RTL-Senderchef Frank Hoffmann seine Programmstrategie:

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© MG RTL D | Boris Breuer
FOURSCREEN: Warum sind Eigenproduktionen und deren exklusive Auswertung so wichtig für Sie?

FRANK HOFFMANN: "Eigenproduktionen und die Rechte daran machen uns unverwechselbar: in der linearen ebenso wie in der non-linearen Welt. Je intensiver der Wettbewerb, desto wichtiger wird die Differenzierung des eigenen Angebots. Egal, in welchem Genre: ob Fiction oder Unterhaltung, Sport oder Information. Neben den Inhalten entscheiden wir zudem selbst, auf welcher Plattform wir sie wann anbieten." 

Gibt es weitere Gründe, warum Sie verstärkt auf eigenproduzierte Inhalte setzen?

"Wir gehen dieses hohe Investment an Kreativität, Zeit und Geld und das damit verbundene Risiko bewusst ein, da es ganz entscheidend für die Entwicklung in den nächsten fünf bis zehn Jahren ist. Wir haben jetzt die Chance, noch Sehgewohnheiten zu schaffen oder zu verändern. Ich bin seit 26 Jahren für die Mediengruppe Deutschland in Köln tätig und ich habe noch nie ein größeres Programmbudget gehabt. Innerhalb der MG RTL D sind wir überzeugt, dass es richtig ist, diese vor rund vier Jahren von uns entschiedene Strategie weiter auszubauen."

Wie sind die Reaktionen des Werbemarktes auf diese Programmoffensive?

"Im Werbemarkt ist der Ruf nach Innovation oftmals lauter als der tatsächliche Wunsch nach Verlässlichkeit, Planbarkeit und Effizienz, wie sie eben Serien wie GZSZ und andere Langläufer wie 'Wer wird Millionär?' oder DSDS bieten. Innovation wird in der Regel erst gebucht, wenn sie sich etabliert hat. Bis Werbungtreibende einen Stoff entdecken, ist Staffel eins der Show oder Serie oft nicht mehr on air. Die Kunden sind dann in der zweiten Staffel dabei. Das bedeutet, dass wir immer in Vorleistung gehen müssen. Am Ende bieten wir beides: Verlässlichkeit und Innovation."

Kamera

Wo liegt der Schwerpunkt der aktuellen Programmentwicklungen?

"Unsere aktuelle Programmarbeit ist geprägt von vier Begriffen: Investition und Innovation sowie Fiktionalisierung und Faktualisierung. In selbst produzierter Fiction sehen wir jedoch die entscheidenden Stellschrauben, damit RTL in dem hochfragmentierten
Markt die Nummer 1 bei den werberelevanten Zielgruppen bleibt. Deshalb hat RTL in den vergangenen Jahren die Investitionen in eigene fiktionale Inhalte deutlich nach oben geschraubt. Die Ergebnisse konnte man mit Serien wie 'Sankt Maik' schon 2017 sehen. Gleichzeitig haben wir die Anstrengungen im Bereich Show intensiviert. Ein Ergebnis ist 'Big Bounce – Die Trampolin Show'. Gemeinsam mit EndemolShine entwickelt, wurde das Format jetzt an TF1 nach Frankreich verkauft. Wir weiten unsere Entwicklungsinitiative Schritt für Schritt aus."


Was ist denn die Schwierigkeit bei der Etablierung einer neuen fiktionalen Eigenproduktion?

"Aufgrund des stark fragmentierten Marktes ist es natürlich schwieriger denn je, auf neue serielle Programme zu setzen und sie langfristig zu etablieren. Das betrifft die Fiction ebenso wie andere Genres. Kreativität und Mut zum Risiko bedingen sich dabei gegenseitig. Man braucht noch mehr Zeit für die Arbeit im Vorfeld. Wenn man einen Dauerbrenner kreieren will, braucht man einfach Geduld."

Haben Sie ein Beispiel dafür?

"'Der Lehrer' startete bestenfalls durchschnittlich, performte dann aber Jahr für Jahr besser und ist inzwischen die erfolgreichste deutsche Serie beim jungen Publikum, zudem preisgekrönt. Das Potenzial der Serie wurde früh erkannt, es wurde Geduld bewiesen und unermüdlich an der Serie gearbeitet – mit Geduld und viel Liebe zum Detail und dem entsprechenden Budget. Eine Investition, die sich wirtschaftlich dann auszahlt, wenn insbesondere fiktionale Programme auch in der Wiederholung funktionieren. Somit ist 'Der Lehrer' der Prototyp eines fiktionalen Erfolges, der auch inhaltlich Benchmark ist, denn wir verbinden Unterhaltung und Leichtigkeit mit Relevanz. Genau diesen Weg werden wir weitergehen."

Unterwasserkamera

Und wie bewerten Sie das in Bezug auf die neuen Serien am Dienstagabend?

"Wir brauchen Geduld, da Sehgewohnheiten nicht von heute auf morgen zu ändern sind. Wer jahrelang US-Fiction gewohnt war, muss behutsam von der neuen Programmfarbe überzeugt werden. Mir ist dabei die komplette Komposition wichtig, denn am Ende ist nicht entscheidend, ob zwischendurch mal ein Ton danebenlag."

In welcher Größenordnung kann man sich die Investitionen in eigene Inhalte denn vorstellen?

"Schon in den letzten Jahren haben wir in der Mediengruppe RTL die Weichen gestellt, um unabhängiger von Dritten wie den US-Studios zu werden. Bei der eigenproduzierten Fiction gab es z. B. 2015 bei RTL 52 Erstausstrahlungen, in 2017 bereits 70 neue Folgen im Line-up und 2019 werden es bis zu 147 neue Folgen allein in der Primetime sein, wobei wir pro Folge zwischen 600.000 und 700.000 Euro ausgeben."

Zahlen

Und was genau erwartet die Zuschauer künftig im fiktionalen Bereich?

"Um neue Serien zu kreieren, sind wir ständig auf der Suche nach Themen, die die Menschen in ihrer ganz persönlichen, aber auch gesellschaftlichen oder politischen Gegenwart bewegen, wobei sich stets die Frage stellt, welche Sehnsüchte daraus entstehen und welche Entwicklungen und Trends sich abzeichnen. Mit dem diesjährigen Fiction-Pitch wollen wir vor allem wieder die weibliche Zielgruppe erreichen. Aus diesem Grund steht das Thema 'Familie' im Vordergrund, wobei die Familie als Sehnsuchtsort zu verstehen ist, an dem man bedingungslose Liebe, Rückhalt, Geborgenheit und Verlässlichkeit erfahren kann und die Familienmitglieder mit ihren eigenen Welten im Fokus stehen."

Filmset

Wir haben jetzt viel über Eigenproduktionen für die Primetime geredet, aber wie sieht es in der Daytime aus?

"Auch in der Daytime setzen wir auf Sendungen, die bei der Werbewirtschaft inhaltlich auf noch größere Akzeptanz stoßen können. Am aktuellen Line-up arbeiten wir seit Längerem intensiv und setzen verstärkt auf eine Mischung aus Show und Factual-Programmen, die alle durch die Marktforschung gegangen sind. Außerdem ist die neue RTL-Daytime nicht mehr so monochrom wie zuvor. Um einen erfolgreichen Audience Flow zu gewährleisten, programmieren wir in thematisch gut zusammenpassenden Blöcken. Ein besonderer Schwerpunkt wird sicher unsere vierte tägliche Serie 'Freundinnen – Jetzt erst recht!' sein."

Aber auch am Wochenende tut sich was in Sachen Eigenproduktionen. Was haben Sie dort geplant?

"Angesichts der hohen Fernsehnutzung am Sonntag wollen wir auch in diese Zeitzone mehr investieren und sie dementsprechend mit deutlich mehr neuen Formaten angehen als bisher. Die Herausforderung dabei ist, dass wir es am Wochenende mit anderen Zuschauern zu tun haben als während der Woche. Beispielsweise ist am Wochenende die Backshow 'Hauptsache süß! Backen mit René Oliver' geplant und außerdem gilt es hier ganz besonders, mit der ein oder anderen Sendung mehr Männer anzusprechen. Deshalb haben wir auch ein paar neue Programme für alle, die gerne in den Baumarkt gehen – wie z. B. 'Ran an den Rasen – Das Gartenduell' oder auch 'Schätze aus Schrott'."

Und noch kurz zum Abschluss – welches Format ist für Sie das beste Beispiel, wenn es um gelungene Programminnovationen geht?

"Ganz klar 'Big Bounce – Die Trampolin Show'. Die Inspiration dazu haben wir in Deutschlands Gärten gefunden. Gemeinsam mit EndemolShine haben wir die Show entwickelt und sie in Deutschland zu einem Hit gemacht und ins Ausland verkauft. Der Begriff Innovation wird gern überstrapaziert, aber hier hat er seine absolute Daseinsberechtigung, denn an dieser Sendung findet sich alles, was wir uns innerhalb der Programmstrategie vorgenommen haben: In eine neue Partnerschaft zu investieren, die es inhaltlich bisher so noch nicht gegeben hat und deren Ergebnis exklusiv bei uns zu sehen ist. Die mit ihren für RTL neuen Gesichtern bzw. Moderatoren viele Menschen – auch in Gemeinschaft – vor die Bildschirme lockt und mit der wir aber auch zugleich die junge Zielgruppe erreichen."
 

 

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Birte Heemeyer

Birte Heemeyer
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