GESUCHT UND GEFUNDEN
23.10.2017

Schon in den letzten beiden Jahren hat RTL für seine Info-Formate neue Moderatoren gesucht, gefunden und aufgebaut. Aber welches Gesicht unterstützt neuerdings im Genre 'News'?

Mit den langjährigen starken Markengesichtern – wie z. B. Peter Kloeppel –, die bei den Zuschauern als glaubwürdige und verlässliche Absender gelten, dem parallelen Aufbau neuer, kompetenter und sympathischer Talente und sorgfältig recherchierten Informationen ist RTL bestens für die Zukunft aufgestellt.

Juliane

NEU IM RTL NEWS-TEAM

Charlotte Maihoff (35), die zuvor schon Erfahrungen im News-Bereich sammeln konnte, verstärkt nun das Moderatorenteam von "RTL Aktuell". FOURSCREEN hat nachgefragt.

Charlotte_neuFOURSCREEN: Waren Sie schon als Jugendliche besonders an Nachrichten interessiert?

CHARLOTTE MAIHOFF: Ich habe als Kind sehr gerne Radio gehört und mochte eigentlich immer die Wortbeiträge am liebsten. Von meinem Kommunionsgeld habe ich mir dann einen Kassettenrekorder mit Aufnahmefunktion gekauft und kleine Info-Sendungen mit Nonsens-Nachrichten produziert – sehr zum Leidwesen meines Umfelds, das dabei für Interviews und O-Töne herhalten musste.

Wie sind Sie dann konkret zum Nachrichtengeschäft gekommen?

Als ich mit 16 zum Jugendradio kam, hatte ich erst einmal andere Aufgaben: Reportern und Moderation. Erst sehr viel später, eher durch Zufall, kam ich 2010 beim Deutschlandfunk "zurück" zu den Nachrichten.

Wie halten Sie es außerhalb des Büros? Sind Sie ständig online und empfangsbereit? Und gilt der letzte Blick vor dem Schlafengehen noch einmal den News-Anbietern im Internet?

Leider ja ... Das ist wahrscheinlich eine Berufskrankheit. Andererseits: Es geht ja vielen so mit ihrem Smartphone.

Gibt es Zeiten, in denen sie mal komplett abschalten und offline gehen können?

Ja, im Urlaub. Ich finde es wichtig, sich diese Zeiten zum Abschalten und Auftanken zu nehmen, sonst ist der Akku irgendwann leer. Also versuche ich, im Urlaub wirklich nicht häufiger als zweimal am Tag die Nachrichten zu checken – wenn es überhaupt Empfang gibt. Wenn nicht: Auch nicht schlimm! Die Welt dreht sich auch ohne mich, und was ich verpasst habe, hole ich dann vor der ersten Schicht nach.

Muss man eigentlich ein News-Junkie sein, um eine gute Nachrichtenmoderatorin zu sein?

Man sollte tatsächlich sehr viel lesen und hören, auch außerhalb der Arbeit. Damit man Zeit hat, sich Hintergründe klar zu machen, das ein oder andere tiefer zu verstehen. Denn während der Schicht anzufangen, sich überhaupt erst einmal mit einem Thema, einer "Lage" zu beschäftigen, funktioniert schon zeitlich nicht. Also: Es hilft schon, wenn man sich ohnehin für die Themen interessiert, die auf der Agenda stehen.

Sie sind in Sachen Nachrichtenphilosophie geprägt durch Ihre Jahre bei der ARD – nun werden Sie das News-Flaggschiff von RTL moderieren. Ist ein solcher Wechsel immer noch ein Spagat?

Das kann ich noch nicht sagen, ich habe ja noch gar nicht angefangen! Aber die News-Flaggschiffe hüben wie drüben haben ja das gleiche Ziel: ihre Zuschauer bestmöglich zu informieren. Diese tägliche Herausforderung ist der Reiz am Nachrichtengeschäft. Eine ziemlich spannende Aufgabe, die aber mit wenig Chichi auskommt. Das mag ich an den Nachrichten, und das gilt für beide Redaktionen.

Worin sehen Sie die größten Unterschiede bei der Nachrichtenvermittlung von ARD und ZDF, wo gleichen sich beide an?

Man muss unterscheiden zwischen gelesenen Nachrichten wie der 20-Uhr-Tagesschau und moderierten Formaten wie ZDF -heute oder RTL Aktuell. Ich finde es sehr schwierig, da Vergleiche zu ziehen. ZDF und RTL stehen sich sicherlich näher – aber das liegt natürlich am Format: Moderierte Nachrichten erklären etwas mehr, sprechen den Zuschauer direkter an.

Was hat Sie besonders gereizt, diesen Wechsel zu vollziehen?

Bei einem Nachrichtenkanal wie Tagesschau24 ist die Taktung sehr hoch, – was auch seinen Reiz hat: viele Sendungen auf den Punkt präsentieren, Interviews vorbereiten, dazwischen Feedback und weitere Abäufe besprechen. Eine Sendung wie RTL Aktuell ist dagegen ein Produkt, auf das einen ganzen Tag hingearbeitet wird. Ein Ganzes, sozusagen, das da am Ende eines Tages steht. Den Gedanken fand ich sehr reizvoll.

Haben Sie Vorbilder im Nachrichtengeschäft, die Sie inspirieren?

Na klar, Peter Kloeppel zum Beispiel, unvergessen mit seiner Moderation am 11. September. Aber auch viele Korrespondentenkollegen leisten großartige Arbeit rund um den Globus, unter manchmal sehr schwierigen Bedingungen – wir im Studio haben es ja vergleichsweise warm und gemütlich. Also davor habe ich größten Respekt.

Früher wurden die Übermittler schlechter Nachrichten exekutiert, heute genießen sie Promi-Status, wenn sie als News-Moderatoren arbeiten. Wie wichtig sind Anchor im Nachrichtengeschäft und wie wollen Sie von den Zuschauern am liebsten wahrgenommen werden?

Die einzelne Person vor der Kamera sollte sich nicht zu wichtig nehmen, finde ich, aus zwei Gründen: Erstens ist jede Nachrichtensendung eine Teamleistung. Ohne Redaktion sendet auch ein Anchor gar nichts. Und zweitens: Es sind immer noch die News der Star. Nachrichten zu machen ist eine wichtige Aufgabe, aber man sollte sich nicht einbilden, dass sich diese Wichtigkeit auf die eigene Person überträgt. Das kann morgen auch jemand anderes machen. Davon abgesehen: Eine gewisse Verlässlichkeit halte ich für hilfreich. Und wenn man seine Sache gut macht, hat man einigermaßen Ahnung, wovon man redet – und wirkt auch so auf seinen Zuschauer.

Verstehen Sie Menschen, die keine Nachrichten mehr einschalten, weil die Inhalte ihnen zu viel Angst bereiten?

Ja, das verstehe ich. Manche Nachrichten können wirklich deprimieren. Ich glaube, dass es deshalb wichtig ist, Hintergründe zu erklären. Alle Seiten zu beleuchten, auch die guten, wenn es welche gibt, und möglichst keine Panik zu verbreiten.

Sie leben in Hamburg und Moskau, arbeiten nun in Köln. Lässt sich das auf Dauer miteinander vereinbaren?


Nein, das wäre mir dann doch zu viel Stress! Ich ziehe für meine neue Aufgabe nach Köln, dort habe ich lange gewohnt und freue mich auch schon wieder drauf.
 

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