SAFE NEWS IN ZEITEN VON FAKE NEWS

In diesem Monat ist Hans Demmel seit zehn Jahren n-tv Geschäftsführer. Anlässlich dieses Jubiläums hat er mit dem Online-Medienmagazin DWDL.de über die Herausforderungen des Nachrichtengeschäfts früher und heute, über aktuelle Themen wie den Bundestagswahlkampf sowie über die Zukunftsaussichten von n-tv gesprochen.

AUSZÜGE aus dem DWDL.de-Interview

Herr Demmel, Sie sind seit zehn Jahren Geschäftsführer von n-tv. Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie hier länger sind als bei all Ihren vorherigen Stationen?

Für jemanden, der für Nachrichteninhalte steht, habe ich mit hoher Wahrscheinlichkeit den besten Job, den es im Privatfernsehen gibt. Wenn Sie so aufgestellt sind wie ich, dann kann man sich eigentlich nichts Besseres vorstellen. Wir können extrem frei agieren und sind am Ende des Tages nur unseren Zuschauern verpflichtet. Davon abgesehen waren die letzten zehn Jahre außerordentlich erfolgreich, und Erfolge sind etwas, das einem immer weiterhilft. In dieser Zeit hat sich ein tolles Team formiert, das für eine unglaubliche Schlagkraft steht. Wenn ich sehe, mit welcher Intensität und Leidenschaft hier gearbeitet wird, vor allem auch, wenn am späten Freitagabend eine Breaking News hereinbricht, erfüllt einen das einfach mit großem Stolz.

Wie schnell sind die Geräte im Ernstfall an einem Freitagabend hochgefahren?

Das Studio steht im Grunde konstant bereit. Für die Nachtstunden auch noch ein kleines Breaking-News-Studio, das sich binnen weniger Minuten hochfahren lässt. Das Wichtigere ist die journalistische Entscheidung, wann es sich lohnt, das Programm aufzubrechen. Natürlich ist Schnelligkeit Teil dessen, was uns auszeichnet, aber stimmen soll's schon auch. Nehmen Sie den Terroranschlag vom Berliner Breitscheidplatz. Da war am Anfang lediglich von einem LKW-Unfall die Rede. In solchen Situationen spielt dann auch die Erfahrung eine große Rolle.


Vor welchen Herausforderungen stand n-tv, als Sie 2007 gekommen sind?

Es ist ja kein Geheimnis, dass Nachrichtenfernsehen in Deutschland nicht so leicht zu refinanzieren ist. Meine Hauptherausforderung war es damals, den Sender finanziell in eine sichere Zone zu führen. Das ist uns gelungen. Auf der inhaltlichen Seite hat sich vor zehn Jahren ganz sanft abgezeichnet, dass die Vermittlung von Nachrichten nicht nur im Fernsehen stattfinden muss, sondern auch digital. Damals herrschte noch der Grundtenor, dass Technologie die Inhalte nicht beeinflussen darf. Das ist heute glücklicherweise anders, inzwischen können wir unsere Inhalte auf die verschiedenen Verbreitungswege anpassen. Noch stärker werden einem die Veränderungen allerdings vor Augen geführt, wenn man an die Gründungszeit von n-tv vor 25 Jahren zurückdenkt.

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Wie wappnen Sie sich gegen Fake News?

Wir sind in den letzten Jahren sensibler im Umgang mit Fake News geworden und haben mittlerweile bei der Mediengruppe RTL ein eigenes Team, das sich damit befasst, Themen im Hinblick auf Falschmeldungen abzusichern. Oft hilft es aber schon, die Frage nach der Plausibilität zu stellen. Generell stellen wir fest, dass die Zahl der Menschen, die Nachrichten nur noch glauben, wenn sie in ihr eigenes Mindset passen, zugenommen hat. Eine der großen Herausforderungen der nächsten Jahre wird es deshalb sein, genau diese vorurteilsbeladenen Menschen zu erreichen.


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Feiert n-tv auch in 25 Jahren noch Geburtstag?

Ja klar, da mache ich mir keine Sorgen. Auch in 25 Jahren wird es immer noch einen Bedarf an klaren, ordentlich recherchierten Nachrichten geben. Ich glaube auch weiterhin an lineares Fernsehen, denn nichts ist so linear wie Nachrichtenfernsehen. Zudem haben wir einen starken Digital-Arm, bei dem die Finanzierung stimmt. Daneben verfolgt n-tv eine First-Mover-Strategie, die so weit geht, dass Sie unsere Nachrichten sogar auf dem Kühlschrank sehen können. Ob das wirklich die Zukunft ist, wird man sehen. Aber wir probieren alles aus, um Erfahrungen zu sammeln.


Wenn das Internet so wichtig ist, wieso lassen Sie n-tv.de eigentlich von einer externen Firma namens Nachrichtenmanufaktur herstellen?

Das ist historisch gewachsen. Die beiden Geschäftsführer der Nachrichtenmanufaktur waren ursprünglich mal im Haus und haben sich vor 13 oder 14 Jahren zu einem Management-Buy-out entschieden – also zu einem Zeitpunkt, an dem nicht für jeden erkennbar war, dass das ein großer Zukunftsmarkt sein wird. Zudem erfolgt die Steuerung durch uns und wir sind eng miteinander vernetzt. Wir denken praktisch identisch, was Nachrichten angeht. Das Entscheidende sind nicht die Mauern in Gebäuden, entscheidend sind die Mauern in den Köpfen – und die gibt es bei uns nicht.

Das vollständige DWDL.de-Interview finden Sie HIER.

Ansprechpartner

Franziska Wünsch

Franziska Wünsch
B2B Marketing n-tv & NITRO

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