2011

Das DigitalBarometer, eine Kooperation von IP Deutschland, TNS Emnid und w&v zeigt, dass Zuschauer die meisten Fernseh-Genres lieber in Echtzeit sehen.


Studienthematik: Mediennutzung
Publikationsdatum: 2011
Medium:
  • Fernsehen
Zielgruppe:
  • Erw. 14 bis 49 Jahre
 

Warum lineares Fernsehen Zukunft hat

Zwar befinden sich in vielen Haushalten PVRs und andere Geräte zur zeitversetzten bzw. selbstinitiierten Fernsehnutzung. Aktuelle Zahlen aus dem AGF/GfK-Fernsehpanel zeigen jedoch, dass Festplattenrekorder & Co de facto nur in sehr geringem Umfang genutzt werden: Nicht einmal 1% der gesamten Fernsehnutzung erfolgt zeitversetzt. Für das aktuelle DigitalBarometer wurden rund 1.300 Personen zu ihren Einstellungen und Nutzungspräferenzen beim linearen und zeitversetzten Fernsehen telefonisch befragt.

PVRs und andere Geräte zur zeitversetzten Fernsehnutzung versprechen den Zuschauern, sich vom vorgegebenen Programmfluss loszukoppeln und ein Programm genau dann anzuschauen, wenn es am besten in die ganz individuelle Alltagsgestaltung passt. Dennoch werden diese Geräte nur in sehr geringem Umfang genutzt. Die mehr oder weniger komplizierte Programmierung liefert hierfür keine Erklärung: Auch bei einfacherer Bedienung würden drei Viertel (76%) der Befragten nicht häufiger zeitversetzt schauen.

Die Nutzungspräferenz hängt vom Genre ab

Ob und wie häufig Zuschauer ein Programm zeitversetzt anschauen, hängt stark vom jeweiligen Genre ab. Sicherlich wird sich niemand die Nachrichten von gestern auf seinem PVR anschauen wollen, doch der Spielfilm, der im Nachtprogramm ausgestrahlt wird, kann auch am nächsten Tag durchaus fesseln.

Bei vielen Genres ist die Frage, ob Zuschauer sie lieber live oder lieber zeitversetzt sehen möchten, nicht einfach zu beantworten. Am stärksten kommt es den Zuschauern bei Sportsendungen, Fernsehshows aber auch bei Magazinsendungen auf das „TV-Echtzeit-Erlebnis“ an: Hier gab die überwiegende Mehrheit der Befragten (94% bei Sport, 91% bei Shows und 90% bei Magazinen) an, Sendungen dieser Genres lieber im laufenden Programmfluss zu sehen.

Die im Vergleich höchste Präferenz zur zeitversetzten Nutzung zeigte sich erwartungsgemäß bei Kino- und Fernsehfilmen. Aber auch hier antwortete die Mehrheit (59%) der Befragten, sich Filme am liebsten im laufenden Programm anzuschauen. Bei anderen fiktionalen Programmen ist den Zuschauern der lineare Programmfluss noch wichtiger: So sehen 77% der Befragten Dokusoaps oder Telenovelas lieber live, ganz ähnlich wie auch Fernsehserien (Krimis, Unterhaltung, Familie), die 78% der Befragten in TV-Echtzeit bevorzugen. Insgesamt zeigen diese Ergebnisse, dass der Einsatz von Festplattenrekordern eher eine "Notlösung" ist, wenn die TV-Echtzeitnutzung nicht möglich ist.

Was ist "Fernsehen" - Fiction oder Non-Fiction?

Am liebsten wird von den allermeisten Befragten also in Echtzeit TV gesehen. Besonders gering ist die Bereitschaft dazu, TV aus der Konserve zu schauen, bei non-fiktionalen Inhalten. Gerade letztere dominieren aus Zuschauersicht den Markt: Eine Betrachtung der prozentualen Verteilung von Fiction und Non-Fiction nach Sehbeteiligung (AGF/GfK) zeigt, dass über drei Viertel (77%) der tatsächlichen Nutzung auf non-fiktionale Inhalte entfällt. Interessanterweise ist dieses Verhältnis zwischen Fiction und Non-Fiction in den letzten 15 Jahren konstant geblieben. Es scheint bei den Zuschauern ein geradezu „natürliches“ Bedürfnis nach Non-Fiction zu geben, für viele Zuschauer ist der Fernseher wichtig als "Fenster zur Welt".

Der Programm-Markt hat auf diesen Bedarf reagiert: Ein Blick auf die ausgestrahlten Inhalte zeigt, dass im TV heute non-fiktionale Inhalte eine deutlich größere Rolle spielen als noch vor 15 Jahren. Aktuell entfällt jede 2. Sendeminute auf ein non-fiktionales Format, vor rund 15 Jahren war dies nur ein Drittel (34%). Mit der Lancierung vielfältigster Reality-Formate wie "Big Brother", Koch-Shows, Doku-Soaps und den vielen anderen non-fiktionalen Formaten haben sich die Programm-Macher den Genre-Vorlieben ihrer Zuschauer immer stärker angenähert.

Somit gilt heute mehr denn je, dass das Fernsehen vor allem durch non-fiktionale Inhalte geprägt wird. Gerade bei diesen Formaten kommt es den Zuschauern darauf an, sie zur richtigen Zeit zu sehen - also in "TV-Echtzeit".

Methode:
Für das DigitalBarometer „Echtzeit-TV und Genres“ wurden im Mai 2011 insgesamt 1.328 Personen im Alter von 14 bis 59 Jahren in Deutschland telefonisch befragt (CATI). Um die Nutzungspräferenz der jeweiligen Genres zu erfassen, wurden jeweils zumindest gelegentliche Seher des entsprechenden Genres gefragt, ob sie dieses Programm lieber im aktuell laufenden Fernsehprogramm oder lieber zeitversetzt anschauen.

Antworten auf die Frage, warum Zuschauer Fernsehen in Echtzeit selbstinitiierten Programmen vorziehen und welchen psychologischen Mehrwert es bringt, sich auf den vorgegebenen Programmfluss einlassen, liefert unsere aktuelle qualitative Studie „Echtzeit-TV: Faszination des linearen Fernsehens“.

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Titel aktualisiert Größe Format
DigitalBarometer_Echtzeit-TV[1].pdf 22.08.2011 347 KB PDF

Ansprechpartner

Sandra Schümann
Markt-Media-Forschung

+49 221 456 26431

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