ONLINE-ANGEBOTE: EINE FRAGE DER STIMMUNG
09.11.2016

Emotionen spielen beim Konsum von Medien eine große Rolle. Je nach Verfassung und Stimmung werden unterschiedliche Angebote genutzt.

In welcher Stimmung ist der User bei der Nutzung unterschiedlichster Online-Angebote anzutreffen? Dieser Frage sind Gapfish, IP Deutschland und PangeaLabs mit einem innovativen Forschungsansatz nachgegangen. Erstmals wurden in der Studie passive Nutzungsdaten mit Befragungsergebnissen verknüpft. Die Ergebnisse wurden auf der Research & Results Ende Oktober in München vorgestellt.

Ein Teil des Gapfish Entscheiderclub-Panels ist mit einer Mess-Software ausgestattet, die es ermöglicht, die Wege der Panelisten im Internet zu erfassen. Sowohl stationär als auch mobil werden hier täglich Millionen von Trackingdaten erhoben. Gleichzeitig bietet die Technologie die Möglichkeit, Push-Nachrichten im Moment der Nutzung zu verschicken. So kann man Menschen während der Nutzung von Webseiten mit einer Befragung zu erreichen. Vorab wurden 19 Webseiten aus neun verschiedenen Rubriken ausgewählt. Sobald ein User auf einer dieser Seiten surfte, wurde ein Fragebogen ausgeliefert, der nach der aktuellen Gefühlswelt der Teilnehmer fragte.

Gute Laune bei Nutzern von Mediatheken

Im ersten Schritt wurden die Probanden offen zu ihrer derzeitigen Stimmung gefragt. Hier zeigte sich ein breites Spektrum. Spannend waren die Unterschiede auf den einzelnen Seiten-Rubriken. Besonderes Augenmerk legten die Forscher dabei auf den Vergleich von Mediatheken und YouTube sowie Facebook. Es fiel auf, dass die User der Mediatheken (TV NOW, ZDF Mediathek und Netflix) deutlich besser gelaunt waren als YouTube- oder Facebook-Nutzer: Während 71 Prozent der Mediatheken-Besucher in einer positiven Stimmung waren, traf dies nur auf 57 Prozent der YouTube– und 55 Prozent der Facebook-User zu.

Ein ähnliches Bild zeigte sich auch bei der Abfrage von vorgegebenen Gefühlsmerkmalen. Hier wurden insgesamt 36 Items je Proband und je Webseite erfragt. Mittels Faktorenanalyse wurden die Gefühlsausprägungen danach in drei Dimensionen zusammengefasst. Bei den „Verstimmten“ dominierten Gefühle wie traurig, verärgert, überreizt oder genervt. Interessanterweise war dieser Faktor bei den Nutzern von YouTube und Facebook deutlich ausgeprägter als bei denen der Mediatheken.

Weniger Entspannung bei YouTube und Facebook

Die „Optimisten“ dagegen standen für Items wie vergnügt, aktiv, fröhlich oder entspannt. Diese waren bei den Mediatheken-Nutzern viel häufiger zu finden als beispielsweise auf YouTube. Grundsätzlich überraschen diese Ergebnisse nicht, da vorausgegangene Grundlagenstudien bereits bestätigt hatten, dass sich bei verschiedenen Bewegtbild-Umfeldern die Art der Nutzung und die Nutzerverfassung unterscheiden. Während bei der Nutzung von Mediatheken schnell eine Lean-back-Verfassung eingenommen wird und der TV-Content in einer entspannten und positiven Stimmung konsumiert wird, sind die User auf YouTube und Facebook in einer Lean-forward-Verfassung unterwegs.

Bei YouTube werden Videos immer nur „ankonsumiert“, meist wird nur ein Bruchteil gesehen und dann schon wieder das nächste Video angesteuert. Das sorgt für eine unentspannte Grundhaltung, da sich der Rezipient mit einem Überangebot konfrontiert sieht und dies in einem ausufernden Konsum endet. Facebook wird dagegen sehr flüchtig durchgescrollt, die Menschen sind immer wieder auf der Suche nach Neuigkeiten im Freundeskreis, um dann doch festzustellen, dass sich die Neuigkeit oft als Banalität herausstellt (Quelle: Kartografie 9).

Fazit: Mit der erstmaligen und innovativen Kombination aus Tracking- und Befragungsdaten ist es gelungen, einen weiteren Beleg dafür zu erhalten, dass die Verfassung und Stimmung bei der Nutzung unterschiedlicher Bewegtbild-Angebote variiert.

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Emotionsmessung bei Online-Nutzung 10.11.2016 1.214 KB PDF

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